Montag, 7. März 2016

Erfahrungen mit implantiertem Glukosesenor


Aktuell tauchen die ersten konkreten Nachrichten zu einem Produkt auf, auf dass ich seit knapp 2 Jahren warte: Den implantierbaren Sensor der Firma Senseonics (https://senseonics.com).

Ich freue mich wirklich auf den Moment, wo dieser endlich auf dem deutschen Markt erscheint und werde euch deshalb mal von meinen Erfahrungen berichten.

Anfangen tat alles damit, dass ich mich bei https://www.profil-forschung.de als Studienteilnehmerin beworben hatte.
Irgendwann erhielt ich einen Anruf, ob ich noch an einer Studienteilnahme interessiert sei und man berichtete mir grob, dass es um einen implantierten Sensor gehen würde. Natürlich fand ich das super spannend und hatte auch kurz darauf die Studienunterlagen zuhause, ebenso wie einen Termin für eine Voruntersuchung und Information.

Um es kurz zu fassen: Ich bekam im Sommer 2014 als erste Patientin in Deutschland diesen Sensor eingesetzt.
Hierfür hatte ich einen ambulanten Termin im Studieninstitut in Neuss, die Betreuung hier war übrigens absolut super!
Das einsetzen des Sensors wurde von einem Chirurgen durchgeführt, der von einem Mitarbeiter des Unternehmens in dieses Verfahren unterwiesen wurde. Der Chirurg hatte das bis dato so also auch noch nicht gemacht und ich muss gestehen, dass ich schon ein wenig nervös war. Zudem standen ein Haufen Leute um mich rum, die alle gebannt zuschauen wollten und eine Kamera, welche den Eingriff aufzeichnen sollte.

Das ganze war am Ende denkbar unspektakulär. Nach der gründlichen Desinfizierung meines Oberarms wurde die Stelle betäubt. Danach wurde ein kleiner Hautschnitt von knapp einem Zentimeter gesetzt und des Sensor in die nun entstandene kleine Hauttasche gesetzt.
Das ganze wurde auf dem anderen Arm wiederholt, da ich für die Studie zwei Sensoren tragen musste.

Durch die Betäubung war das ganze absolut Schmerzfrei und hat auch kaum geblutet. Die beiden Hautschnitte wurden mit kleinen Strips verschlossen und mit je einem Pflaster abgedeckt.

Yoweit ich mich erinnere war dann erstmal 2 Stunden Pause, anschließend wurden auf beiden Armen die Transmitter befestigt und wir haben die ersten Kalibrierungen durchgeführt.

An dem Abend bin ich dann nach Hause gefahren, allerdings nur mit einem Transmitter, der zweite wurde nur benötigt, wenn ich zu den Testtagen im Studieninstitut sein würde (ich hatte im laufe eines halben Jahres knapp 7 oder 8 Termine).

Zusätzlich zu dem Transmitter erhielt ich einen iPod mit der installierten App, welche die Werte des Transmitters per Funk empfangen konnte und mir eine Blutzuckerkurve darstellte.

Nochmal zum Sensor: Nachdem das ganze Abgeheilt war (schon knapp 3 Tage später), konnte man den Sensor unter der Haut fühlen. Wenn man mit dem Finder auf die Stelle gedrückt hat, konnte man ihn wie eine kleine "Bohne" spüren. Gestört hat er mich in den 2 Monaten die meine Studie lief nie, ich fand es tatsächlich super befreiend, dass er einfach in der Haut sitzt und nicht durch Türrahmen, BH- Träger etc abgerissen werden kann.
Der Transmitter ist tatsächlich schon ein kleiner Brummer, will sagen: Nicht gerade klein. Ich habe ihn immer mit den Pflastern fixiert, hierbei ist wichtig, dass er immer exakt über dem, Sensor sitzen muss. Ich habe keine besonders empfindliche Haut, allerdings hatte auch ich, nachdem ja 4 Wochen am Stück ein Pflaster auf immer der selben Stelle saß, eine recht trockene und strapazierte Stelle dort. Ansonsten habe ich die Pflaster allerdings super gut vertragen. Wie das nur eben über einen Zeitraum von 6 Monaten aussieht, weiß ich nicht.

Mitgeliefert wurde auch eine Art "Armband", so wie man es vom Sport für Smartphones kennt. Leider hat das bei mir nicht gut funktioniert, es konnte den Sensor nicht exakt an der richtigen Stelle halten.

Der Sensor funktioniert übrigens mit einer Technik, die Licht reflektiert, aber da informiert ihr euch besser über die Homepage, so präzise kann ich das nicht erläutern.
Was ich in dem Zusammenhang aber feststellen musste war, dass ich den Sensor bei starkem Sonnenlicht (also im Sommer recht häufig) mit einer zusätzlichen Abdeckung versehen musste. Wenn es zu hell war, konnte der Sensor keine Werte mehr anzeigen. Ich habe den Arm dann zusätzlich mit einer schwarzen Stoffbinde umwickelt.

Ein wichtiger Punkt: Ja, man wird angesprochen. Der Transmitter fällt aufgrund seiner Größe deutlich mehr auf, als zb der LibreSensor oder der Enlite. Damit muss man leben.
Auch damit, dass er nicht wasserdicht ist (bzw. war, als ich an der Studie teilgenommen habe. Ich habe ihn einmal am Tag zum Duschen abgelegt, die 10 Minuten reichen auch zum aufladen. Strom brauchte er nämlich auch spätestens jeden zweiten Tag.
Die Werte wurden in Echtzeit an den iPod übertragen, war dieser mal nicht dabei, wurden die Werte für maximal 2 Stunden gespeichert. Wenn der iPod also zb zuhause vergessen wird und man kommt erst abends wieder, hat man eine Datenlücke. Und kann auch die Werte natürlich nicht ablesen. Ist mir allerdings nie passiert, die wenigsten Leute vergessen ja ihr Handy irgendwo.

Was mich aber begeistert hat: Die Messgenauigkeit! Die Monate, in denen ich den Sensor getragen habe, waren die entspanntesten in meinem Diabetiker- Leben. Wenn die Kalibrierung exakt durchgeführt wurde (bei stabilen Werten etc) hatte ich eine perfekte Übereinstimmung mit den gemessenen BZ- Werten. Und der Timelag (also dass der Gewebszucker langsamer ist als der Blutzucker) war unglaublich klein. Ich habe den iPod beim Radfahren vorne am Lenker befestigt gehabt (Psielkind und so ;) ) und konnte beim losfahren sehen, nach wie viel Minuten sich was tut. Das war quasi Live- Blutzuckerfernsehen. Sport an sich war kein Problem. Das Pflaster hält bombig und selbst wenn es ab fallen würde, kann man es ja einfach neu festkleben. Den Sensor stört es nicht.

Ich war unglaublich traurig und enttäuscht, als mir die Sensoren nach 2 Monaten wieder entfernt wurden, ich hatte die ersten Wochen wirklich Probleme, meine normale Therapie wieder aufzunehmen und meinen Zucker auf herkömmliche Art und Weise zu kontrollieren.
Und seitdem warte ich sehnsüchtigst auf die Markteinführung!

Zur Entfernung der Sensoren noch kurz: Hierfür musste ich wieder in das Studieninstitut, wieder örtliche Betäubung und dann wurde erneut ein kleiner Hautschnitt gesetzt und die Sensoren mit einer Pinzette aus dem Gewebe gezogen. Beim zweiten Arm war es scheinbar ein wenig kompliziert, hier musste ein wenig "geprokelt" werden. War nicht ganz angenehm, tat aber dennoch nicht weh. AUch hiernach sind die Schnitte super verheilt und ich habe jetzt nur noch winzige Narben auf meinen Armen. Ich versuche mal, euch Fotos davon zu machen. Ich habe gerade versucht, euch noch mehr Fotos zu liefern, allerdings will meine externe Festplatte nicht wie ich will :(

Ich kann also nur sagen: Für mich ist dieser Sensor die bislang allerbeste Lösung! Mein Libre ist auch nicht schlecht, aber was die Genauigkeit und die Schnelligkeit sowie den Komfort angeht, bin ich ein Fan von "Sensor unter die Haut".

Wie seht ihr das? Könnt ihr euch so eine Lösung für euch vorstellen? Habt ihr noch Fragen? Schreibt mir gerne, dann versuche ich eure Fragen zu beantworten.

Die Narbe auf meinem rechten Arm, knapp zweieinhalb Jahre nach der ganzen Aktion

Kommentare:

  1. Hallo Sandrine, danke für Deinen ausführlichen Erfahrungsbericht. Ich hardere noch mit mir ob ich solch einen Sensor will...

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  2. Ich habe mich jetzt auch bei einer Studie zu diesem Sensor in meiner Diabetespraxis beworben. Deine Beschreibung hört/liest sich ja prima!

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